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DGB Niederrhein: Billiglöhne kosten Kreis Wesel 1,6 Mio. Euro jährlich

01.02.12

Pressemitteilung des DGB Niederrhein zum Thema Dumpinglöhne

Im Kreis Wesel müssen nach DGB-Berechnungen jährlich rund 1.000.000 Euro an Steuermitteln aufgewendet werden, um Geringverdienern mit Vollzeitjob das Existenzminimum zu sichern. Rechnet man die Betroffenen mit sozialversicherten Teilzeitjobs hinzu, so sind es bereits gut 1.600.000 Euro, die Stadt und Bund gemeinsam über das Hartz-IV-System beisteuern müssen. »Armut trotz Erwerbstätigkeit ist in unserer Region ein ernstes Problem, das uns alle teuer zu stehen kommt«, so Angelika Wagner von der DGB-Region Niederrhein.

811 Haushalte wurden allein im Kreis Wesel im Durchschnitt des Jahres 2010 gezählt, die von der Arbeit mindestens eines sozialversichert Beschäftigten nicht leben konnten. Im Schnitt musste der Lohn ergänzend über Hartz IV um 640 Euro im Monat aufgestockt werden. Dabei nehmen längst nicht alle in Frage kommenden Geringverdiener ihren Anspruch auf zusätzliche Fürsorgeleistungen wahr. »Nur etwa jede/r zweite Vollzeitbeschäftigte stockt den geringen Verdienst mit Hartz IV auf«, so Angelika Wagner. Der DGB beruft sich dabei auf wissenschaftliche Untersuchungen von Sozialforschern. Wesentliche Gründe für den Verzicht seien fehlendes Wissen, aber auch »Scham und Scheu« vor dem Antragsverfahren. Viele wollten sich nicht quasi finanziell vor den Behörden »ausziehen«. Ein Ratgeber des DGB gibt viele hilfreiche Informationen für Niedriglohnempfänger, die Anspruch auf Hartz IV haben.

Neben den Aufstockern mit sozialversichertem Job gab es 2010 im Kreis aber auch 400 Hartz IV-Haushalte von Selbständigen und weitere 3.000 Haushalte, in denen mindestens eine Person einen Minijob hat. Unter Einbeziehung auch dieser Bedarfsgemeinschaften mussten insgesamt für alle Erwerbstätigen mit Niedrigeinkommen in Wesel sogar gut 5 Mio. Euro ergänzend zum Lohn über Hartz IV aufgestockt werden.

»Wenn Lohndumping und prekäre Beschäftigung nicht zurückgedrängt werden, müssen hier dauerhaft Steuermittel in Milliardenhöhe aufgebracht werden. Dadurch drohen weitere Wettbewerbsverzerrungen zwischen den Unternehmen, die existenzsichernde Löhne zahlen und denjenigen, die sich die Armutsfalle zunutze machen und sich die Arbeit ihrer Beschäftigten vom Staat zahlen lassen«, so Angelika Wagner. Die staatliche Subventionierung der Niedriglöhne müsse durch Mindestlöhne nicht unter 8,50 Euro die Stunde beendet werden.


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